Aufgelesen XC – Das Regieren überhaupt

„An der Spitze müssen zwei Menschen stehen, nicht einer und nicht drei. Zwei. Einer von ihnen muß die Geschäfte führen und mit der Ungeduld der Fragen, Bitten und Drohungen der Regierten Schritt halten. Er muß den Eindruck von Tatkraft machen und doch nur das Billige, Unwichtige und Eilige erledigen. Der andere hat Ruhe und Abstand, er kann an den entscheidenden Stellen nein sagen. Denn er kümmert sich nicht um das Eilige, sondern schaut einzelnes lange an, er erkennt Dauer und Geschwindigkeit allen Geschehens und setzt sich keine Fristen, sondern macht es sich schwer. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXIX – Begriffsjurisprudenz oder: Die Unordnung der Ordnungen

[E]s mögen ungefähr hundert Jahre her sein, da haben die führenden Köpfe des deutschen Zivils geglaubt, daß der denkende Bürger die Gesetze der Welt an seinem Schreibtisch sitzend aus seinem Kopf herleiten werde, so wie man die Sätze von den Dreiecken beweisen kann… Diese Überhebung ist uns seither gründlich ausgetrieben worden; wir haben in diesen hundert Jahren uns und die Natur und alles sehr viel besser kennen gelernt, aber der Erfolg ist sozusagen, daß man alles, was man an Ordnung im einzelnen gewinnt, am Ganzen wieder verliert, so daß wir immer mehr Ordnungen und immer weniger Ordnung haben. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXVIII – Mensch und Tier im Recht

Moosbrugger war einer jener Grenzfälle, die aus der Jurisprudenz und Gerichtsmedizin auch den Laien als die Fälle der verminderten Zurechnungsfähigkeit bekannt sind. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXVII – Islam als Diät

Ich hatte nie Religionsunterricht. Niemand, der mir nah waren, praktizierte irgendeinen Glauben offen, es gab nicht mal jemanden, der gesagt hätte: „An einen Kirchengott glaube ich nicht, aber dass es so eine Wesenheit geben könnte, das schon.“  Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXVI – The Track of the Law

then came the churches then came the schools
then came the lawyers then came the rules
then came the trains and the trucks with theirs loads
and the dirty old track was the telegraph road Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXV – Das Geheimnis einfacher Gesetzgebung

Es ist ein alter Wunsch, der, wer weiß wie spät, vielleicht einmal in Erfüllung gehen wird: daß man doch einmal statt der endlosen Mannigfaltigkeit bürgerlicher Gesetze ihre Principien aufsuchen möge; denn darin kann allein das Geheimniß bestehen, die Gesetzgebung, wie man sagt, zu simplificiren. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXIV – Zigeunergesetz

„Genug… Du wirst erhängt. Furchtbar einfache Sache, ihr rechtschaffenen Herrn Bürger. Wie ihr die Unsern bei euch behandelt, so behandeln wir die Euren bei uns. Dasselbe Gesetz, dem ihr die Gauner unterstellt, dem unterstellen wir euch. Wenn‘s grausam ist, ist‘s eure Schuld. Hin und wieder darf man wohl die Fratze eines Braven in der Hanfschlinge zucken sehen. Das gibt der Sache einen Anstrich von Ehrbarkeit… Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXIII – Beim Sarge des Mohammed!

Aus seiner Erfahrung als Pariser Straßenbummler wußte er, dass nichts dem Denken förderlicher ist, als hinter einer hübschen Frau einherzutrotten, ohne zu wissen, wohin sie geht. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXII – Die Verbannung der Todesstrafe

Es ist, nebenbei gesagt, tröstlich zu denken, daß die Todesstrafe, die noch vor dreihundert Jahren mit Rad und Galgen und mit ihrem ganzen Zubehör von fest im Boden eingepflasterten Foltergeräten sich auf den verschiedensten Plätzen und Straßen breitmachte – auf der Grève, bei den Hallen, auf dem Dauphine-Platz, an verschiedenen Toren und anderswo –, wozu noch die zahllosen Richtstätten des Bürgermeisters, des Bischofs, der Kirchenkapitel, der Äbte und Prioren sowie die gerichtlich verfügten Ertränkungen in der Seine kamen – es ist tröstlich zu denken, daß diese alte Lehnsherrin der Feudalgesellschaft heute, nachdem sie Teil um Teil ihrer Rüstung, ihre Überfülle von Folterwerkzeugen, ihrer willkürlichen Strafbefugnis eingebüßt hat, fast aus unsern Gesetzen und Städten verbannt ist, daß sie, bei jeder Gesetzesrevision stärker bedrängt, von Ort zu Ort gehetzt wird und in unserem unermeßlichen Paris nur noch in einer Schandecke des Grève-Platzes über ein erbärmliches, verborgenes, verfemtes Fallbeil verfügt, das immer zu fürchten scheint, bei einem Verbrechen ertappt zu werden, so rasch verschwindet es wieder nach vollbrachter Tat! Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXXI – Die Narrenpapstwahl

Man hatte mir ein Narrenfest mit Papstwahl versprochen. In Gent haben wir auch unsern Narrenpapst, und beim Kreuz Gottes, in der Hinsicht sind wir nicht rückständig! Aber wir machen das so: man trommelt einen Haufen Leute zusammen, wie hier. Dann streckt einer nach dem andern den Kopf durch ein Loch und schneidet diesen ein Gesicht. Wer für seine Grimasse von allen am lautesten beklatscht wird, der ist Papst. So geht das. Das nenn’ ich einen Spaß. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXX – Säkularisierung

Der … Soziologe Peter L. Berger hat einmal formuliert, Säkularisierung beschreibe, dass Religion von einem Instrument sozialer Kontrolle zu deren Gegenstand werde. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXIX – Die unterschiedliche Stärke der geschriebenen und der ungeschriebenen Gesetze

Es gab eine Klosterehre, und es gab eine Schülerehre, und beide kamen zuweilen in Widerstreit, er kannst das; aber es waren, wie überall, die ungeschriebenen Gesetze stärker als die geschriebenen, und nie hätte er, solang er Schüler war, sich den Gesetzen und Ehrbegriffen der Schülerschaft entzogen. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXVIII – Ein Mensch, der seine Unschuld bestreitet

In der Tat, es ist ein ungewöhnlicher Fall, der uns … über die amtliche Verpflichtung hinaus beschäftigt. Wir sind an Mörder gewöhnt, die den ganzen Tag brüllen: Ich bin unschuldig! Das stört mich nicht einen Augenblick in meiner Arbeit… Aber ein Mensch, der seine Unschuld bestreitet und geradezu Anfälle bekommt, wenn man ihn verdächtigt, ein Ehrenmann zu sein, das geht an die Nerven… Er stellt unseren ganzen Betrieb auf den Kopf… Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXVII – Gerechtigkeit: leere Worthülse der Bürgerrhetorik?

Gerechtigkeit war selbstverständlich eine leere Worthülse der Bürgerrhetorik, und um zum Handeln zu kommen, müsse man vor allen Dingen wissen, welche Gerechtigkeit man meine, diejenige, die jedem das Seine, oder diejenige, die allen das Gleiche geben wolle. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXVI – Rechtsfähigkeit nach römischem, germanischem und kanonischem Recht

Man wolle der Kirche (sc. der lateinischen) wohl gar einen Mangel an … Sinn für den Wert der menschlichen Persönlichkeit unterstellen? Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXV – Thomas Mann lässt schächten

Leo Naphta stammte aus einem kleinen Ort in der Nähe der galizisch-wolhynischen Grenze. Sein Vater, …, war dort schochet, Schächter, gewesen – und wie sehr hatte dieser Beruf sich von dem des christlichen Fleischers unterschieden, der Handwerker und Geschäftsmann war. Nicht eben so Leo‘s Vater. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXIV – Um Gottes willen Schiedsgerichte!

„Sind wir beim Recht? Im Völkerrecht, mein Herr, bleibt der Gedanke des Naturrechtes und allmenschlicher Vernunft lebendig…“ Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXIII – Das Boot ist voll oder: Das Wasser ist süß

Der Zoroastrismus ist eine antike Religion, deren Anfänge im östlichen Iran liegen. Ihre Anhänger hatten ab dem siebten Jahrhundert, als eine andere Religion die Vorherrschaft gewann, zunehmend unter Repressalien und teilweise auch unter Verfolgung zu leiden. Viele verließen das Land. Eines der Flüchtlingsschiffe erreichte die Westküste Indiens, und während einer Audienz beim König baten die Zoroastrier um das Bleiberecht. Der König wies auf ein Glas Wasser, das auf dem Tisch stand, und sagte: „So wie dieses Glas bis obenhin gefüllt ist, so ist mein Königreich voller Menschen. Für weitere fehlt uns der Platz.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXII – Tat- oder Täterstrafrecht

Man macht sich nicht mit dem schuldig, was man tut, sondern mit der Absicht, die hinter diesem Tun steckt. In der Absicht ist alles. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXXI – Überleben als Strafe

Jemanden überleben, den man so liebte, …, jemanden überleben, der einem auf Tod und Leben nahestand, das ist eine der heimlichen, nicht festzumachenden Straftaten des Lebens. Die Gesetzesbücher kennen sie nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXX – Timm Thaler und die Yeziden

Lefuet sprach mit genüsslich gespitztem Munde: „Im Hochland von Mesopotamien, unweit des Berges Djabal Sindjar, liegt mein Hauptwohnsitz, ein kleines Schloss… Mein Schlösschen liegt im Lande der Yeziden. Weißt du, wer die Yeziden sind?“ Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXIX – Einen Antrag auf Erteilung

Mein Verhältnis zu Behörden war nicht immer ungetrübt,
Was allein nur daran lag, daß man nicht kann, was man nicht übt.
Heute geh‘ ich weltmännisch auf allen Ämtern ein und aus,
Schließlich bin ich auf den Dienstwegen schon so gut wie zu Haus.
Seit dem Tag, an dem die Aktenhauptverwertungsstelle Nord
Mich per Einschreiben aufforderte: Schicken Sie uns sofort
Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars,
Dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt
Zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXVIII – Die öffentliche Ordnung und ihre gefühlten Grenzen

Die Frage, wie Verrückte vor sich selbst zu schützen sind (und wie andere vor ihnen), ist nicht einfach zu beantworten. Rechtliche Grundlage ist hierbei das Psychisch-Kranken-Gesetz, kurz PsychKG, ein Ländergesetz. Wann ist es angezeigt, einem psychisch kranken Menschen seine Freiheitsrechte zu entziehen, eine Unterbringung anzuordnen und ihn einer Zwangsmedikation zuzuführen? Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXVII – Der Rechtsbürger

Der Bürger … hat … an Stelle der Macht die Majorität gesetzt, an Stelle der Gewalt das Gesetz, an Stelle der Verantwortung das Abstimmungsverfahren. Den Rest des Beitrags lesen »

Aufgelesen LXVI – Der Entlastungszeuge

Worte entlasten nicht, der Zeuge entlastet. Den Rest des Beitrags lesen »