Aufgelesen LXXXIV – Zigeunergesetz

„Genug… Du wirst erhängt. Furchtbar einfache Sache, ihr rechtschaffenen Herrn Bürger. Wie ihr die Unsern bei euch behandelt, so behandeln wir die Euren bei uns. Dasselbe Gesetz, dem ihr die Gauner unterstellt, dem unterstellen wir euch. Wenn‘s grausam ist, ist‘s eure Schuld. Hin und wieder darf man wohl die Fratze eines Braven in der Hanfschlinge zucken sehen. Das gibt der Sache einen Anstrich von Ehrbarkeit…

Halt mal! … Beinahe hätt‘ ich noch etwas vergessen! Es ist bei uns Brauch, daß wir vor dem Henken die Frauen fragen, ob eine von ihnen den Mann will. Kamerad, das ist deine allerletzte Aussicht. Du heiratest entweder eine Gaunerin oder das Galgenseil.“

So befremdlich dieses Zigeunergesetz den Leser anmuten mag, es ist sogar in die alte englische Gesetzgebung eingegangen und dort noch heute klar zu lesen. Man vergleiche diesbezüglich „Barrington‘s observations“.

Aufgelesen in: Victor Hugo, Der Glöckner von Notre-Dame, 3. Aufl. 2017, S. 116 ff.

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