Aufgelesen LXXIV – Um Gottes willen Schiedsgerichte!

„Sind wir beim Recht? Im Völkerrecht, mein Herr, bleibt der Gedanke des Naturrechtes und allmenschlicher Vernunft lebendig…“

„Pah, Ihr Völkerrecht ist abermals nichts als eine Rousseausche Verballhornung des ius divinum, das weder mit Natur noch Vernunft etwas zu schaffen hat, sondern auf Offenbarung beruht…“

„Streiten wir uns nicht im Namen, Professor! Nennen Sie ungehindert ius divinum, was ich als Natur- und Völkerrecht verehre. Die Hauptsache ist, daß über den positiven Rechten der Nationalstatten ein höher-gültiges, allgemeines sich erhebt und die Schlichtung strittiger Interessenfragen durch Schiedsgerichte ermöglicht!“

„Durch Schiedsgerichte! Wenn ich das Wort höre! Durch ein bürgerliches Schiedsgericht, das über Fragen des Lebens entscheidet, Gottes Willen ermittelt und die Geschichte bestimmt!“

Aufgelesen in: Thomas Mann, Der Zauberberg, 1981, S. 538 f.

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