Hamburg: Verfassungsschutz warnt vor kostenlosen Online-Kursen der Scientology-Organisation

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hamburg warnt vor kostenlosen Online-Kursen, die auf deutschsprachigen Internet-Seiten der Scientology-Organisation (SO) angeboten werden. Die SO wirbt für diese Kurse unter dem Motto „Effektive Scientology-Lebenshilfen in Form von kostenlosen Online-Kursen“.

Bereits seit Jahren baut die SO ihre Internetpräsenz aus, um Interessierte mit populären Themen wie einer Anti-Drogen-Kampagne („Sag Nein zu Drogen – Sag Ja zum Leben“) oder dem Einsatz für Menschenrechte („Jugend für Menschenrechte“) anzulocken. Den Stellenwert des Internets für ihre Mitgliederwerbung untermauerte die SO mit dem im Mai 2008 propagierten „Vorstoß in den Cyberspace“. Und über soziale Netzwerke sucht die Organisation insbesondere den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.

Wurde der Scientology-Hintergrund wegen des schlechten Images der SO häufig auch verschleiert, tritt die Organisation in den neuen Online-Kursen offensiver auf und bietet ein breites Spektrum von Lebenshilfe ganz offen unter dem Titel „Scientology“ an.

Dabei werden angebliche Lösungen zu den verschiedensten Problemen des menschlichen Lebens angepriesen – mit wenigen Klicks ist für jede Altersgruppe etwas dabei: Arbeit, Geld, Ehe, Stress, Kommunikation, Drogen und mehr. Die SO nennt das „Lebensverbesserungskurse“, und der Scientology-Pressedienst verspricht durch die scheinbar „vermittelten Lösungen … ein erfülltes und glückliches Leben.“

Das LfV Hamburg warnt vor diesen neuen Lockangeboten. Die Scientologen verstehen es, mit Menschen, die Lebenshilfe suchen, im Sinne ihrer Ideologie zielstrebig zu kommunizieren. Genau das trainieren sie. Geschickt und freundlich beginnt es im Netz und setzt sich dann in den Scientology-Niederlassungen fort. Dort gibt es dann allerdings kaum noch etwas umsonst. Ganz im Gegenteil: Der Druck auf die einzelnen Scientology-Anhänger, ihrer Organisation immer mehr Geld zu geben, hat enorm zugenommen. Dieses „Ausnehmen“ der Mitglieder wurde in der Vergangenheit auch schon intern kritisiert.

Der SO geht es um Macht, Geld und den Einzug in alle gesellschaftlichen Bereiche. Gerade vor wenigen Wochen wurde die Hamburger Niederlassung am Domplatz modernisiert und mit mehr Personal ausgestattet, um Scientology hier vor Ort stärker zu etablieren. Seither verteilt das scientologische Personal in der Innenstadt vermehrt Flyer, in denen zu einem Besuch des renovierten Gebäudes eingeladen wird. Die Werbebotschaften per Flyer und im Netz dienen dem Zweck, mit scientologischen Technologien in die Gesellschaft einzudringen, um sich dort auszubreiten und irgendwann auch wirtschaftlichen und politischen Einfluss im Sinne dieser totalitären Organisation nehmen zu können.

Die SO wirbt für ihr neues Angebot unter anderem mit der Binsenweisheit „Nicht immer geht alles glatt im Leben.“ Das LfV Hamburg warnt davor, den Scientologen sein Leben anzuvertrauen; gerade im Hinblick auf die angebotenen Lebenshilfen und die Folgen könnten die Ratsuchenden mit Scientology in ihrem Leben eher weitere Probleme bekommen.

Hintergrund-Information

Die „Scientology-Organisation“ (SO) wird nach einem Beschluss der Innenminister und -senatoren seit 1997 von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Die Rechtmäßigkeit dieser Beobachtung wurde im Februar 2008 vom OVG Nordrhein-Westfalen bestätigt. Das Gericht stellte in seiner Entscheidung fest, dass die SO eine Gesellschaftsordnung anstrebe, in der zentrale Grundwerte außer Kraft gesetzt werden sollen.

Pressemeldung der Hamburger Behörde für Inneres und Sport v. 14.03.2012

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