Peter Unruh, Religionsunterricht und Religionsfreiheit

Tiefgreifende religionssoziologische Veränderungen zeitigen Folgen und insbesondere Herausforderungen für den Religionsunterricht i.S.v. Art. 7 Abs. 2 und 3 GG. Während sich in der schulischen Praxis längst neue interkonfessionelle und interreligiöse Modelle etabliert haben, wird deren verfassungsrechtliche Anerkennung durch die aktuell (noch) überwiegende Dogmatik in Frage gestellt. Sie stützt sich maßgeblich auf eine Leitentscheidung des BVerfG aus dem Jahr 1987, deren Tragfähigkeit für Gegenwart und Zukunft zu hinterfragen ist.

Peter Unruh regt daher eine dogmatische Öffnung an: Durch die systematische Heranziehung von Art. 4 GG als zentraler Norm des grundgesetzlichen Religionsverfassungsrechts lassen sich neue Auslegungsperspektiven für Art. 7 Abs. 2 und 3 GG entwickeln. Es werden Elemente der Dogmatik zu Art. 4 GG für die (erweiternde) Auslegung des Art. 7 Abs. 2 und 3 GG fruchtbar gemacht. Die in der Praxis begegnenden konfessions- und religionsübergreifenden Modelle des Religionsunterrichts können so grundsätzlich von dem Verdikt der Verfassungswidrigkeit entlastet werden.

Die Arbeit weist insgesamt einen verfassungsrechtlich fundierten Weg, auf dem die Dogmatik zu Art. 7 Abs. 2 und 3 GG den gesellschaftlichen Realitäten angepasst und die Zukunft des Religionsunterrichts religionsverfassungsrechtlich abgesichert werden kann.

Peter Unruh, Religionsunterricht und Religionsfreiheit – Zur Fortentwicklung des Rechts auf religiöse Bildung in der Schule. Tübingen: Mohr Siebeck, 2026. 122 Seiten. ISBN 978-3-16-200071-2. € 19,–.

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