Aufgelesen XLV – Die Eigentümlichkeit unseres Erkenntnisvermögens oder: Das „negative Prinzip“

Es gibt seit langem in Philosophie und Wissenschaft ein „negatives Prinzip“, demzufolge wir auf Grund der Eigentümlichkeit unseres Erkenntnisvermögens sichere Erkenntnis nur davon haben, was ein Ding nicht ist, während wir das, was ein Ding ist, nicht sicher erkennen können…Jedenfalls ist unsere Erkenntnis beim Falsifizieren sehr viel sicherer als beim Verifizieren. Wir können viel eher sagen, was Ungerechtigkeit ist, als was gerecht ist, desgleichen was den Menschenrechten widerspricht, als was ihnen gemäß ist. Es ist ja auch mit dem Erleben von Gerechtigkeit so; das Problem der Gerechtigkeit stellt sich fast immer erst beim Zusammenstoß mit einer Ungerechtigkeit. Es sind die Unwerte, die vom Menschen als immer präsente Grenzsituationen erfahren werden: Ungerechtigkeit, Unglück, Unfreiheit, Unsittlichkeit, Unwahrheit, Unrecht, Ungleichheit, Unsicherheit…

Aufgelesen in: Arthur Kaufmann, Die Radbruchsche Formel vom gesetzlichen Unrecht und vom übergesetzlichen Recht in der Diskussion um das im Namen der DDR begangene Unrecht, NJW 1995, 81 (83).

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