LG Magdeburg: Freispruch wegen Störung der Totenruhe rechtskräftig

Am 09.09.2014 hat das AG Oschersleben den Angeklagten wegen Störung der Totenruhe freigesprochen. Hiergegen hatte die Staatsanwaltschaft zunächst Berufung eingelegt. Kurz vor Beginn der Berufungsverhandlung hat die Staatsanwaltschaft die Berufung zurück genommen. Der Freispruch ist damit rechtskräftig.

Dem Angeklagten war durch die Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, am 13.04.2013 in Stemmern am Körper eines verstorbenen Menschen beschimpfenden Unfug verübt zu haben. An diesem Tag wurde die Leiche eines Mannes vorgefunden, aus dessen linken Oberschenkel ein ca. 8 cm × 15 cm großes Stück der Muskulatur fehlte. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte dieses Muskelstück herausgetrennt haben. Der Mann selbst ist daran gestorben, dass er eine tödliche Alkoholvergiftung erlitt und die Leiche in einen Grill fiel und verbrannte. Das Stück Fleisch wurde von der Leiche abgeschnitten.

In der Hauptverhandlung vor dem AG Oschersleben hat der Angeklagte im Rahmen seines letzten Wortes sich dahingehend geäußert, dass er das Stück Fleisch nicht heraus getrennt habe.

Unmittelbare Zeugen der Tat gab es nicht. Nach Aussage einer Polizeibeamtin hat im Rahmen der Bearbeitung eines anderen Falles ein Dozent für angewandte und forensische Psychologie (im Volksmund „Profiler“) den Verdacht geäußert, dass es sich bei dem Täter um eine männliche Person aus dem nahen Umfeld des Verstorbenen handeln müsse, der über keine oder allenfalls geringe soziale Kontakte verfüge und den ein negatives Erlebnis mit dem Opfer verbinden müsse. Zwar passt das Täterprofil auf den Angeklagten, jedoch reicht dies nach Überzeugung des Gerichts nicht aus, um in der Gesamtschau aller erhobenen Beweise den Angeklagten der Tat zu überführen. So wurde weder das Tatwerkzeug beim Angeklagten gefundenen noch Leichenteile, noch wurde der Angeklagte bei der Tat beobachtet.

Im Ergebnis ist allein ein passendes Täterprofil auf Grund des Fehlens weiterer Indizien und Hinweise, die mit dem Angeklagten in Verbindung gebracht werden können, nicht geeignet den Angeklagten der Tat zu überführen. (AG Oschersleben, Urt. v. 09.09.2014 – 162 Js 38355/13)

Pressemitteilung des LG Magdeburg Nr. 48 v. 19.11.2014

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