Bundesregierung: Erstmals jüdische Theologie an deutscher Uni

Mit einem Festakt wurde an der Universität Potsdam der Studiengang Jüdische Theologie eröffnet. Ein Ereignis von historischem Ausmaß: Zum ersten Mal wird an einer deutschen staatlichen Universität Jüdische Theologie gelehrt.

Rabbiner, Kantoren und zukünftige Wissenschaftler: 47 Studentinnen und Studenten werden in diesem Wintersemester an der School of Jewish Theology ausgebildet. Sie kommen aus Deutschland, Israel, Ungarn, Polen, Uruguay, Spanien, den Vereinigten Staaten. Sie studieren Jüdische Religion und Philosophie, Hebräisch, Liturgie, Hebräische Bibel und Exegese, Talmud oder Halacha (rechtlicher Teil der Überlieferung des Judentums). Das Studium schließt mit einem Bachelor ab. In Zukunft werden Absolventen einen Master anschließen können.

Vom Altertum bis zur Moderne

Der in Europa einmalige Studiengang steht Interessenten unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit offen. Er spannt den Bogen von Philon von Alexandria über die theologischen Werke des Mittelalters zu den Denkern und Diskursen der Moderne. Nach fast 200 Jahren erfüllt sich die Forderung, dass jüdische mit christlicher Theologie und den Islam-Studien gleichberechtigt ihren Platz haben an einer deutschen Universität.

Bund finanziert mit 2,4 Mio. €

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, verwies in seinem Grußwort auf die Anschubfinanzierung von 2,4 Mio. € durch den Bund. „Um des gemeinsamen Erbes müssen Christentum und Judentum einander Rede und Antwort stehen“, so Rachel.

Margot Käßmann, EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, stellte in ihrer Festrede fest, dass sich so ein „neues unbefangenes Miteinander“, eine Begegnung „auf Augenhöhe“ herausbilden könne.

Brandenburg änderte Hochschulgesetz

Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, würdigte das bedeutsame Ereignis: „Ein helles Licht wird aus Potsdam in die Welt gehen“.

Das Land Brandenburg hat eigens für das Institut das Hochschulgesetz geändert: Erstmals wurde einer Religionsgemeinschaft Mitspracherecht bei der Berufung von Professoren eingeräumt. Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman sieht in dem neuen Institut ein Zeichen für die Wiedergeburt des modernen Judentums.

Zu den Ehrengästen, die Grüße überbrachten, gehörte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, der Präsident der European Union for Progressive Judaism, Leslie Bergman und der Vizepräsident der Jüdischen Universität in den USA, Rabbi Bradley S. Artson.

Bundesregierung v. 20.11.2013

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