Niedersachsen: Weichen für das bundesweit größte Institut für Islamische Theologie in Osnabrück sind gestellt

Mit der Bildung eines konfessorischen Beirates stellen Vertreter der islamischen Landesverbände und der Universität Osnabrück jetzt die letzte Weiche zur Gründung des bundesweit größten Instituts für Islamische Theologie an einer Hochschule. In einer Kooperationsvereinbarung haben sich die Partner unter Moderation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur darauf verständigt, die Beteiligung der Muslime bei den Ausbildungs- und Personalfragen Islamischer Theologie analog zu den christlichen Kirchen in Niedersachsen zu vereinbaren. Der Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V., Schura Niedersachsen, und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V., DITIB-Landesverband Niedersachsen-Bremen e.V., werden jeweils drei Vertreter in den Beirat entsenden. Zudem werden drei international anerkannte muslimische Theologinnen oder Theologen dem Gremium angehören.

Das künftige Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück wird die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses fördern, die bereits bestehenden Studien- und Weiterbildungsangebote bündeln und auch die neuen theologischen und religionspädagogischen Studiengänge beheimaten. Insgesamt stehen der Universität für das Vorhaben in den kommenden fünf Jahren 6,6 Mio. € zur Verfügung, jeweils hälftig vom Bund und vom Land Niedersachsen.

„Die Kooperationsvereinbarung dokumentiert die Bereitschaft aller Beteiligten, an der Einrichtung der Islamischen Theologie und Religionspädagogik an der Universität Osnabrück konstruktiv mitzuarbeiten. Das ist eine wichtige Entwicklung für unser Land und ein guter Beitrag zur Integration unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie zur Würdigung ihres Glaubens“, sagte Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka.

„Für die Universität Osnabrück ist dies ein guter Tag, denn unserem Ziel, eine wissenschaftliche Einrichtung zu schaffen, die mit Partnern aus nationalen und internationalen Hochschulen, muslimischen Verbänden und renommierten Theologien vernetzt ist und die islamische Theologie im europäischen und globalen Kontext sowohl in Forschung als auch Lehre kompetent vertritt, sind wir einen großen Schritt näher gekommen“, so Universitätspräsident Prof. Dr. Claus Rollinger.

Vizepräsidentin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, die die Kooperationsverhandlungen für die Universität Osnabrück geführt hat, zeigte sich ebenfalls hocherfreut: „Ein Jahr lang haben wir uns unter der hilfreichen Moderation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur regelmäßig mit den Verbänden getroffen, um den jetzt unterzeichneten Vertrag vorzubereiten. Wir freuen uns auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Vertretern der muslimischen Gemeinschaften und Gemeinden.“

„Es ist uns wichtig, dass wir durch unser Mitwirken den Beirat und das künftige Institut für Islamische Theologie wirksam unterstützen können. Von Anfang an waren wir davon überzeugt, dass Niedersachsen damit einen guten Weg beschreitet“, sagte der Vorsitzende der Schura Niedersachsen Avni Altiner. „Unser Anliegen ist es, die Universität Osnabrück auf dem Weg zu unterstützen, islamische Theologie und Religionspädagogik zu einem festen Teil ihres Lehrangebotes zu machen“, so der Vorsitzende des DITIB-Landesverbandes Yilmaz Kilic.

Das Institut wird in Kürze seine Arbeit aufnehmen. „Es wird mit sieben Professuren ausgestattet und damit künftig das größte Institut für Islamische Theologie in Deutschland sein“, betonte Prof. Dr. Bülent Ucar, Leiter des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien (ZIIS).

Auf die Universität und den konfessorischen Beirat warten bereits die ersten Aufgaben. So stehen die Besetzungsverfahren für die Forschungsprofessuren Koranexegese (‘Tafsir’) sowie Islamisches Recht und Glaubenspraxis (‘Fiqh’) auf der Agenda. Die Einrichtung eines ordentlichen Unterrichtsfaches „Islamische Religion“ sowie die Konzeption eines Bachelor-Studiengangs für Islamische Theologie sind die ehrgeizigen Ziele für das Jahr 2012.

Der Wissenschaftsrat hatte im Januar 2010 Empfehlungen zur „Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ vorgelegt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) machte sich diese zu eigen und beschloss, an vier ausgewählten Standorten institutionell starke Islamische Studien zu errichten und diese mitzufinanzieren. Nach dem Förderentscheid des Bundes sind die Universitäten Osnabrück und Münster als gemeinsamer Standort ausgewählt worden. Die gemeinsame Einrichtung wird den Namen „Zentrum für Islamische Theologie Münster/Osnabrück“ tragen. Die beiden Universitäten werden darin ihre komplementären Stärken auf dem Gebiet der theologischen Ausbildung bündeln und sich daraus ergebende Synergien nutzen.

Presseinformation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur v. 02.02.2012

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