Bundestag: Wahhabismus im Kosovo

Für die Bundesregierung ist im Kosovo „nach wie vor keine breite Bewegung weg vom tradierten liberalen Islamverständnis hin zu einer wahhabitischen Interpretation des Islam“ zu erkennen. Wie es in der Antwort (BT-Dr 18/12347) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ (BT-Dr 18/11962) heißt, seien zwar saudi-arabische Missionierungsorganisationen im Kosovo aktiv und verbreiteten hier die von Saudi-Arabien vertretene wahhabitische Interpretation des Islam, etwa durch die Entsendung von Predigern. Wenngleich dies im Kosovo im gewissen Umfang toleriert werde, lasse das aber nicht den Schluss zu, dass die Islamische Gemeinschaft Kosovos insgesamt eine Affinität zu einem fundamentalistischen Islamverständnis habe, schreibt die Bundesregierung.

Neben den beiden bekannten kosovarischen Führungspersonen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien, Lavdrim Muhaxeri und Ridvan Haqifi (mutmaßlich getötet), werden allerdings immer wieder Hinweise auf andere kosovarische Staatsangehörigen mit Bezug zu IS bekannt. Beispielsweise sei im März eine Gruppe Kosovaren in Italien im Zusammenhang mit einer Anschlagsplanung auf die Rialto-Brücke in Venedig festgenommen worden, der Propagandaaktivitäten für den IS nachgewiesen werden konnten. Mit Stand vom April 2016 soll es nach offenen Informationen der kosovarischen Behörden etwa 300 Ausreisefälle nach Syrien gegeben haben, darunter 40 (Ehe-)Frauen und mehr als 20 Kinder. Eine eindeutige Zuordnung, welcher Organisation sich die Ausgereisten im Krisengebiet angeschlossen haben, sei nicht möglich.

heute im bundestag Nr. 329 v. 23.05.2017

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