Detlef Pollack, Religion und gesellschaftliche Differenzierung

Die Rolle von Religion und Kirche in den Gesellschaften des Westens hat sich grundlegend geändert. Im europäischen Mittelalter stellte das Christentum noch das Fundament der gesamten gesellschaftlichen Ordnung dar. In modernen Gesellschaften sind Religion und Kirche zu einem Teilbereich neben anderen geworden und müssen sich gegenüber der Attraktivität säkularer Deutungs- und Handlungsalternativen behaupten. Der Umbruch zur Moderne erfolgte im ausgehenden 18. Jahrhundert. Seitdem sind Religion und Kirche in einen Prozess der funktionalen Differenzierung verflochten, den sie kaum noch nachhaltig zu beeinflussen vermögen.

In soziologisch angelegten historischen Analysen geht Detlef Pollack den Vorläufern einer noch stark religiös bedingten funktionalen Differenzierung im Mittelalter nach, untersucht aber auch den religiösen Umbruch im Ausgang des 18. Jahrhunderts und die religiöse Krise der 1960-er Jahre. Die auf die religiöse Gegenwartssituation bezogenen Kapitel überschreiten den europäischen Raum und beziehen auch die USA sowie Lateinamerika in die Analyse ein. Selbst in den USA, die oft als Gegenbeispiel für die Gültigkeit der Differenzierungsthese herangezogen werden, zeigen sich deutliche Tendenzen der Säkularisierung. Religiöse Pluralisierung vermag diese Tendenzen nicht aufzuhalten, sondern verstärkt sie im Gegenteil sogar noch. Religion und Moderne scheinen in einer starken Spannung zueinander zu stehen. Gleichwohl vermögen religiöse Gemeinschaften auch in hochdifferenzierten, pluralen Gesellschaften sozialintegrative Funktionen wahrzunehmen.

Detlef Pollack, Religion und gesellschaftliche Differenzierung – Studien zum religiösen Wandel in Europa und den USA III. Tübingen: Mohr Siebeck, 2016. X, 383 Seiten. ISBN 978-3-16-154283-1. 39,– €.

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