Abgelichtet II – Moscheebau als Ausdruck abgeklärten Selbstverständnisses

Ende des 18. Jahrhunderts ließ der pfälzische Kurfürst Carl Theodor (1724 bis 1799) im Garten des Schwetzinger Schlosses eine Moschee errichten, die, und das ist das Besondere, von vornherein nicht religiösen Zwecken zu dienen bestimmt war. Welchen Zweck hatte sie dann und was war der zeitliche Hintergrund eines solchen Vorhabens? Den Rest des Beitrags lesen »

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Die Moschee im Schwetzinger Schlossgarten ist eine sog. Garten- oder Schmuckmoschee. Sie war keineswegs die einzige ihrer Art in Europa, ist aber die einzige bis heute erhalten gebliebene. Sie dient der Zier und der Betrachtung (im Sinne von Kontemplation).

Solche Bauwerke, aber auch Kompositionen wie Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, dessen Klaviersonate Nr. 11 in A-Dur (KV 311) mit ihrem bekannten 3. Satz, dem Türkischen Marsch („Alla Turca“), oder Elemente der Mode jener Zeit zeigen die Faszination, die man im 18. Jahrhundert dem Orient entgegenbrachte. Als wichtige literarische Belege sind zu nennen: die Anfang des 18. Jahrhunderts von Galland ins Französische übersetzten sog. „Märchen aus tausend und eine Nacht“ („Les mille et une nuits: contes arabes“) oder Montesquieus „Persische Briefe“ („Lettres persanes“).

Die von Nicolas des Pigage entworfene Anlage im Schwetzinger Garten, 1779 begonnen und 1795 vollendet, verbindet christliche und islamische Elemente. Der Hauptbau zum Beispiel wird von zwei Minaretten begleitet, seine Kuppel hingegen erinnert an eine Barockkirche. Islamisch sind zahlreiche arabische Inschriften mit Weisheitslehren, die teilweise dem Koran entnommen sind, christlich gedeutet werden kann der Kreuzgang im Garten. Um wirklich als Moschee genutzt zu werden, fehlen ihr wesentliche Elemente, besonders die Orientierung nach Mekka.

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Der – als Gartenmoschee – durchaus monumentale Komplex und seine Einbettung in den Schlossgarten atmet Weite, Offenheit, Leichtigkeit auf der Basis eines abgeklärten Selbstverständnisses.

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Anmerkung der Redaktion

Herzlichen Dank der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg für ihre Unterstützung!

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