Aufgelesen LXXXII – Die Verbannung der Todesstrafe

Es ist, nebenbei gesagt, tröstlich zu denken, daß die Todesstrafe, die noch vor dreihundert Jahren mit Rad und Galgen und mit ihrem ganzen Zubehör von fest im Boden eingepflasterten Foltergeräten sich auf den verschiedensten Plätzen und Straßen breitmachte – auf der Grève, bei den Hallen, auf dem Dauphine-Platz, an verschiedenen Toren und anderswo –, wozu noch die zahllosen Richtstätten des Bürgermeisters, des Bischofs, der Kirchenkapitel, der Äbte und Prioren sowie die gerichtlich verfügten Ertränkungen in der Seine kamen – es ist tröstlich zu denken, daß diese alte Lehnsherrin der Feudalgesellschaft heute, nachdem sie Teil um Teil ihrer Rüstung, ihre Überfülle von Folterwerkzeugen, ihrer willkürlichen Strafbefugnis eingebüßt hat, fast aus unsern Gesetzen und Städten verbannt ist, daß sie, bei jeder Gesetzesrevision stärker bedrängt, von Ort zu Ort gehetzt wird und in unserem unermeßlichen Paris nur noch in einer Schandecke des Grève-Platzes über ein erbärmliches, verborgenes, verfemtes Fallbeil verfügt, das immer zu fürchten scheint, bei einem Verbrechen ertappt zu werden, so rasch verschwindet es wieder nach vollbrachter Tat!

Aufgelesen in: Victor Hugo, Der Glöckner von Notre-Dame, 3. Aufl. 2017, S. 85 f.

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