Aufgelesen XLVI – Privilegierte Tatbestände

Es ist verboten, Personen in Brand zu stecken.
Es ist verboten, Personen in Brand zu stecken, die im Besitz einer gültigen Aufenthalts­genehmigung sind.
Es ist verboten, Personen in Brand zu stecken, die sich an die gesetzlichen Bestimmun­gen halten und im Besitz einer gültigen Aufenthaltsgenehmigung sind.
Es ist verboten, Personen in Brand zu stecken, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie den Bestand und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden.
Es ist verboten, Personen in Brand zu stecken, soweit sie nicht durch ihr Verhalten dazu Anlaß geben.
Es ist insbesondere auch Jugendlichen, die angesichts mangelnder Freizeitangebote und in Unkenntnis der einschlägigen Bestimmungen sowie aufgrund von Orientierungs­schwierigkeiten psychisch gefährdet sind, nicht gestattet, Personen ohne Ansehen der Person in Brand zu stecken.
Es ist mit Rücksicht auf das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland dringend davon abzuraten.
Es gehört sich nicht.
Es ist nicht üblich.
Es sollte nicht zur Regel werden.
Es muß nicht sein.
Niemand ist dazu verpflichtet.
Es darf niemandem zum Vorwurf gemacht werden, wenn er es unterläßt, Personen in Brand zu stecken.
Jedermann genießt ein Grundrecht auf Verweigerung.
Entsprechende Anträge sind an das zuständige Ordnungsamt zu richten.

Hans Magnus Enzensberger, Privilegierte Tatbestände

Aufgelesen in: Hans Magnus Enzensberger, Kiosk – Neue Gedichte, 1995.

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